Vom Ingwer wird nur der Wurzelstock, das Rhitom, verwendet. © Claudia Herzog

Ingwer: die Wellness-Wurzel

Sie bringt das Immunsystem in Schwung und beugt Erkältungskrankheiten vor: schon Konfuzius schwärmte von der tropischen Knolle. Ingwer ist eines der ältesten Gewürze in der kulinarischen Menschheitsgeschichte und gedeiht inzwischen auch in unseren Breitengraden.

Von Claudia Herzog

«Der Ingwer ist ein empfindliches Pflänzchen», sagt Stephan Müller. Der Bio-Bauer tüftelt seit Jahren am Anbau von Ingwer. Inzwischen mit grossem Erfolg. Da die Pflanze ihren natürlichen Lebensraum aber in wärmeren Gegenden hat, wird sie in Steinmaur in Gewächshäusern gezogen. «Damit die Pflanze gut gedeiht, sind konstante 15 bis 20 Grad Bedingung», erklärt er.

Die Ingwerpflanze wird etwa 120 Zentimeter hoch und erinnert an Schilf. © Claudia Herzog

Einst teurer als ein Schaf

Ingwer ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Seit über 3000 Jahren wird er im tropischen Asien angebaut, als seine Heimat werden die pazifischen Inseln vermutet. Ingwer gehörte zu den ersten Gewürzen, die in grossen Mengen in die Welt verkauft wurde – denn die Wurzel liess sich problemlos transportieren. Bereits ein halbes Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas wurden aus Jamaika Ingwerwurzeln nach Europa importiert. Ein Pfund soll damals in Mitteleuropa so viel gekostet haben wie ein Schaf.

Ingwer ist also nicht erst seit gestern «in». Schon Konfuzius schwärmte davon und soll keine Mahlzeit ohne die würzige Wurzel gegessen haben. In den Werken von Hildegard von Bingen findet Ingwer Anwendung bei Augenkrankheiten, Magenkoliken und Appetitlosigkeit. Vor einem allzu hemmungslosen Gebrauch der Knolle warnte die Mystikerin jedoch ausdrücklich: «Ingwer macht lasziv und vergesslich», urteilte sie, «er steigert das Triebhafte.»

«Die Natur ist genial», sagt Bio-Bauer Stephan Müller. «Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, erlebt mit jedem Schritt ein Wunder mehr.» © Claudia Herzog

Hilfsmittel gegen das Übel

Karibische Fischer kauen seit Generationen vor dem Auslaufen Ingwerstücke, denn die wärmende Wurzel ist ein bewährtes Mittel gegen Reisekrankheit. Erste Hilfe leistet Ingwer auch bei grippalen Infekten: Er reizt die Wärmenerven im Magen und sorgt dort für einen wohligen Hitzeschub, der sich im ganzen Körper ausbreitet.

«Wer Ingwer verwendet, hat Macht über jeden Tiger; der wird so zahm, dass man auf ihm reiten kann».

In der unscheinbaren Wurzelknolle steckt ein Sammelsurium an wertvollen Inhaltsstoffen: zahlreiche Vitamine und Mineralien wie Kalium, Kalzium und Eisen, sowie verschiedene ätherische Öle, die den einzigartigen Geschmack des Ingwers ausmachen. Das aktivste ätherische Öl ist das Gingerol, das chemisch dem Aspirin ähnelt, die Blutgerinnung hemmt und schmerzhemmend wirkt. Wer allerdings zu Gallensteinen neigt, sollte Ingwer nur vorsichtig und nach Rücksprache mit einer Fachperson konsumieren.

Beim Ingwer wird nur der Wurzelstock, das sogenannte Rhitom, verwendet. Junge Knollen sind mild und weich, sie lassen sich sehr gut fein reiben. Je älter, desto schärfer wird der Ingwer. Wer frischen Ingwer kauft, sollte darauf achten, dass die Wurzel fest und ihr blassgelbes Fleisch nicht zu fasrig oder hölzern ist. Vor der Verwendung sollten Sie frischen Ingwer gut waschen und mit der Schale benutzen oder immer nur dünn schälen, da die wertvollen Stoffe direkt unter der Schale stecken. Eingewickelt in Küchenpapier und eingepackt in Zellophan, hält er sich im Kühlschrank wochenlang. «Ein geniales Stück Natur eben», wie Biobauer Stephan Müller sagt.

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