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Seite 597 macht Pro Senectute auf kantonale und regionale Aktivitäten und Anlässe sowie auf das gesamte Dienstleistungsangebot aufmerksam.
Richtiges Anlegen in der Krise (ZL 3-2009)
Aktien im Keller, Festgelder ohne Rendite, Hypotheken fast gratis und Banken, die im Geld schwimmen, derweil andere ums Überleben ringen: Kein Zweifel, die Finanzwelt ist Anfang 2009 ziemlich entgleist. Was ist zu tun?
von Alfred Ernst*/Zeitlupe
Es erstaunt nicht, dass viele sich schwertun mit der Frage, wie und wo Erspartes sinnvoll zu investieren sei. Es klingt paradox, doch in gewissem Sinn herrscht Anlagenotstand. Nicht, weil alles überbewertet und somit nicht mehr kaufenswert erscheint, sondern vielmehr, weil die Verunsicherung riesig ist.
Da sind Grossmutters Hausrezepte wieder gefragt. Der Grundsatz «Trau, schau wem» hatte schon lange nicht mehr diese Bedeutung. War die Sicherheit einer Bank vor Kurzem kein Thema, machen sich heute alle Gedanken darüber, wie viel bei einer Pleite eigentlich versichert wäre. Unter dem Eindruck der Krise haben sich unzählige Regierungen zu einer Erhöhung der staatlichen Sparergarantie entschlossen. Auch in der Schweiz ist der pro Kunde und Bank abgesicherte Betrag von 30 000 auf 100 000 Franken erhöht worden.
Gold erfreut sich ebenfalls einer Renaissance. Händler melden Lieferengpässe für Münzen und kleine Barren, ein Indiz, dass mancher das Edelmetall in den Tresor legt oder vielleicht gar im Garten vergräbt.
Um die Lage zu stabilisieren, haben die Notenbanken das Geld mit Zinssenkungen massiv verbilligt. Aber mit null oder gar negativen Realzinsen (beispielsweise für US-Schatzwechsel) werden Anlegerinnen und Anleger auf Dauer auch nicht glücklich. Wo das Geld investiert werden sollte, hängt primär damit zusammen, an welches Szenario man glaubt.
Deflation: Tiefe Zinsen, fallende Rohstoffpreise und die serbelnde Konjunktur lassen das Papiergeld tendenziell an Wert gewinnen. Die Konsumenten profitieren von Preisnachlässen auf breiter Front. Wenn dieses Szenario eintritt, eignen sich sogenannte Nominalwertanlagen wie etwa erstklassige Obligationen sowie Festgelder und Kontoguthaben bei soliden Banken. Obwohl die Zinserträge tief sind, riskiert der Besitzer keinen Wertverlust, weil seine nominellen Franken tendenziell immer mehr kaufen können. Dagegen sind Sachwerte wie Aktien, Immobilien, Edelmetalle und Kunstgegenstände wenig attraktiv, da in diesem Szenario deren Wert schrumpft. Auch Schulden sind da ungünstig, weil sie in Relation zu Einkommen und Vermögen an Gewicht zulegen.
Inflation: In diesem Umfeld ziehen Rohwarenpreise und Zinsen an. Das führt für die Konsumenten zu höheren Ausgaben, für die Anleger zu einem Verlust auf ihren Nominalwertanlagen. Konkret sind Obligationen und ähnliche Investments hier wenig attraktiv, da das Kapital, das ja einen fixen Nennwert hat, an Kaufkraft einbüsst. Zehntausend Franken, die 2009 investiert werden, kaufen fünf Jahre später nicht mehr gleich viel wie heute, auch wenn der Anleger aus der Obligationenrückzahlung 2014 wieder zehntausend Franken bekommt. Wer dagegen Schulden hat, profitiert, weil diese in den laufend verdienten Geldeinheiten immer weniger Gewicht haben. Daher machen sich Staaten über die Rückzahlung langfristiger Schulden keine grossen Sorgen, weil sie hoffen, ihre Verpflichtungen langfristig elegant «weginflationieren» zu können.
Sachwerte sind im Inflationsszenario ideal. Die Aktien von Firmen gewinnen an Wert, weil Unternehmensaktiven wie Maschinen, Immobilien, Patente tendenziell teurer werden. Zudem können Firmen die Kostensteigerungen über die Verkaufspreise auf die Konsumenten überwälzen. In nominellen Franken bedeutet das höhere Umsätze, grössere Gewinne, verbesserte Dividenden. Immobilien, Kunstwerke und Rohstoffinvestitionen können sich in diesem Szenario ebenfalls auszahlen.
Megakrise: Massenarbeitslosigkeit, Firmenpleiten, soziale Unruhen, Regierungsumstürze, Währungsreformen – für Anleger ein schreckliches Umfeld. Papiergeld, Bankguthaben und Obligationen können unwiederbringlich verloren gehen. Überleben würde im Worst-Case-Szenario nur, wer langlebige Sachwerte von ausserordentlicher Qualität besitzt und sie an sicheren Orten verwahrt. So nützt es nichts, bei der Bank ein Goldkonto zu haben, wenn die Bank Konkurs geht. Das Edelmetall wäre am sichersten in einem Schliessfach oder, besser zugänglich, im Safe zu Hause. Auch Immobilien in Ländern mit hoher Rechtssicherheit und Aktien von erstklassigen, soliden Unternehmen, die unverzichtbare Dinge des täglichen Gebrauchs herstellen, wären für die Überlebensstrategie geeignet, wobei zwischenzeitlich mit brutalen Kursverlusten und langen Erholungszeiten zu rechnen wäre.
*Alfred Ernst ist Mitglied der Geschäftsleitung der unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft Salmann Investment Management in Zürich. Nach verschiedenen Stationen im Bankgeschäft arbeitete er viele Jahre im In- und Ausland als Redaktor von Finanz und Wirtschaft und Cash. Danach war er während zehn Jahren als selbtstständiger Finanzberater und Kolumnist tätig. Alfred Ernst besitzt eidgenössische Diplome als Finanzanalytiker und Vermögensverwalter wie auch als Finanz- und Anlage-Experte. Von 2002 bis 2008 hat er in der Zeitlupe Fragen ums Geld erörtert.
