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Goldanlagen glänzen wieder (ZL 7/8-2008)

Die schlechten Wirtschaftsnachrichten der letzten Monate haben das gute alte Gold zu einer valablen Anlagealternative gemacht. Wie man davon profitiert und was man dabei beachten muss.

 

von Alfred Ernst*/Zeitlupe

  

Gold glänzt wieder - und wie! Mit Kursen von über 1000 Dollar pro Unze (31,1034 Gramm) notierte es in Dollar gemessen in nie gesehenen Höhen, bevor im April die Preise wieder auf gut 900 Dollar sanken. In Franken sieht die Erfolgsgeschichte zwar weniger gut aus. Die alten Höchststände von über 40000 Franken pro Kilo sind noch nicht egalisiert. Dennoch spüren die Goldfreunde auch hierzulande die Morgenröte. Zusammen mit dem Goldpreis streben auch die Notierungen für Silber, Platin sowie Palladium nach oben.

 

Nach dem steilen Anstieg und dem jüngsten Dämpfer fragen sich viele Beobachter indes, ob das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sei. «Ganz klar nein», sagt Rolf Nef, Manager des Tell-Gold-&-Silber-Fonds, der seit Jahren einen rasanten Anstieg der Notierungen für Gold und Silber prophezeit. «Wegen der unglaublich mit Krediten aufgepumpten Weltwirtschaft ist die Edelmetallhausse noch immer näher am Anfang als am Ende», meint Nef. «Wenn breitere Kreise erkennen, dass Papiergeld einer zunehmenden Entwertung ausgesetzt ist, und diese Kreise versuchen, nur einen Teil in Edelmetalle umzuschichten, reichen die Vorräte nirgends hin. Die Preise können nur explodieren.»

 

Freilich gibt es auch diejenigen, die glauben, Gold und Silber seien in einer Überhitzungsphase, wie sie in anderen Finanzinstrumenten immer wieder vorgekommen sind. Dieses Lager sieht ein Ende der Goldeuphorie mit scharfer Preiskorrektur am Horizont. Der US-Häusermarkt und die Börse lassen grüssen...

 

Unbestritten ist, dass das Interesse an Goldanlagen wieder vorhanden ist. Wie aber lässt sich das Edelmetall am besten in eine Anlagestrategie umsetzen? Das kommt auf die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen der Anleger und Anlegerinnen an. Nachstehend drei mögliche Szenarien, die nach unterschied¬lichem Umgang mit Edelmetallen verlangen.

 

Diversifikations-Szenario: Sofern Gold primär als Branchendiversifikation dienen soll, sind Minenaktien oder Fonds von Bergbautiteln attraktiv. Vorteil: Ein guter Fondsmanager vermag auch dann eine ansprechende Rendite zu erzielen, wenn der Goldpreis nur wenig steigt oder stagniert. Er würde durch die geschickte Auswahl von unterbewerteten, dividendenstarken Titeln dieses Resultat erzielen. Nachteil: Vergleichsweise hohe Kosten als Folge von Ausgabekommissionen und Managementgebühren des Fondsmanagers.

 

Die Kosten fallen weniger ins Gewicht, wenn statt eines herkömmlichen Fonds ein Exchange Traded Fund (ETF) gekauft wird. Allein an der Schweizer Börse SWX sind mehrere solcher Vehikel kotiert, die entweder auf den direkten Metallpreisen oder einem Index von 15 grossen US-Goldminenaktien basieren. Beim ZKB-Gold-ETF besteht zudem das Recht, sich das Gold ausliefern zu lassen, allerdings nur in Standardbarren von 12,5 Kilogramm.

 

Aktiencrash-Szenario: Investoren, die Aktien generell misstrauen, erwerben Edelmetalle besser direkt, etwa über ein sogenanntes Claim-Account. Vorteil: Die Anlage unterliegt weder Börsen- noch Ausgabekommissionen. Der Wert entwickelt sich genau mit dem Unzenpreis. Nachteil: Im Falle einer Bankpleite wäre das Metall so nutzlos wie sonst ein Konto bei der Bank, da es sich nur um eine Forderung, nicht um physisch hinterlegtes Gold handelt.

 

Megakrisen-Szenario: Wer die wirtschaftliche Apokalypse mit Bankpleiten samt Währungsreformen befürchtet und im Gold die einzige dauerhafte Ersatzwährung sieht, kommt nicht darum herum, Gold physisch in kleinen Einheiten zu kaufen. Diese wären zudem an einem sicheren Ort ausserhalb der Finanzwelt zu horten.

 

Für dieses Szenario kommen Goldmünzen in unterschiedlichem Wertumfang infrage. Darunter fallen die helvetischen Vreneli, alle Ein-Unzen-Münzen wie beispielsweise Krügerrand, Britannia oder Nuggets sowie deren handelsübliche Bruchteile (1/2, 1/4 oder 1/10). Der Vorteil: Sofort als Tauschmittel verfügbar. Der Nachteil: Die Aufbewahrungskosten können ins gute Tuch gehen.

 

Nicht unerwähnt bleiben soll ausserdem das Genuss-Szenario, frei nach dem Motto «Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden». Ringe, Ohrschmuck oder Ketten kosten freilich mehr als ihr reiner Goldgehalt, doch stellen sie mit Sicherheit die schönste Form der Krisenvorsorge dar.

 

 

 

*Alfred Ernst ist Mitglied der Geschäftsleitung der unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft Salmann Investment Management in Zürich. Nach verschiedenen Stationen im Bankgeschäft arbeitete er viele Jahre im In- und Ausland als Redaktor von Finanz und Wirtschaft und Cash. Danach war er während zehn Jahren als selbtstständiger Finanzberater und Kolumnist tätig. Alfred Ernst besitzt eidgenössische Diplome als Finanzanalytiker und Vermögensverwalter wie auch als Finanz- und Anlage-Experte. Von 2002 bis 2008 hat er in der Zeitlupe Fragen ums Geld erörtert.