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Wie Blütenstaub die Nasen zum Triefen bringt

In der Schweiz sind rund 1,4 Millionen Menschen von Heupfnüsel betroffen – Tendenz steigend. Prof. Dr. med. Arthur Helbling beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zu Pollenallergien.

Blütenstaub

(c) Prisma

 

Die Saison für Pollenallergien hat heuer wegen des milden Winters einige Wochen früher als letztes Jahr eingesetzt. Welche Pflanzenpollen machen Allergikern derzeit zu schaffen?
Erlen und Haselsträucher. Höhere Konzentrationen davon wurden im Mittelland ab Mitte Februar gemessen. Wenn die Temperaturen in den nächsten Tagen wiederholt 10°C übersteigen, werden bald Eschen und Birken ihre Pollen in grossen Mengen in die Luft abgeben, was bei einigen Menschen zu akuten und heftigen Symptomen wie allergischen Schnupfen, Niesreiz, tränenden Augen, Hustenreiz, Beissen im Rachen bis in die Ohren oder auch zu einer erschwerten Atmung wie Asthma führen wird. 


Ist eine Pollenallergie eigentlich eine Krankheit, die man von Geburt an hat oder kann man sie auch im späteren Leben noch «erwerben»?
Die Veranlagung zur Pollenallergie wird den meisten Menschen in die Wiege gelegt.  Die ersten Symptome zeigen sich meist ab dem Kindergartenalter, wenn die Augenbindehaut im Frühjahr und Sommer anschwillt und die Nase rinnt und verstopft ist. Obgleich die Pollenallergie eine Jugenderkrankung ist mit Altersgipfel zwischen 13 bis 25 Jahren, können die Beschwerden später auftreten. In den letzten 15 Jahren haben sich vermehrt Personen gemeldet, die eine Pollenallergie erstmals nach ihrem 50. Lebensjahr bemerkt haben.  


Ständig Medikamente zu schlucken und Nasensprays zu verwenden ist lästig. Lässt sich mit einer Desensibilisierungstherapie dem Heuschnupfen für immer der Garaus machen?
Die spezifische Immuntherapie, auch Desensibilisierung oder Allergieimpfung genannt, ist auch heute noch die einzige Therapie, welche das Grundübel der Allergie an der Wurzel anpackt. Bei der Pollenallergie sind die Therapieerfolge mit über 80 Prozent hoch. Bevor die Indikation zur Immuntherapie gestellt wird, sollte eine korrekte allergologische Abklärung durchgeführt worden sein. Die Behandlung selbst ist etwas zeitaufwändig und kann durch Spritzen, Tropfen oder bei einer Gräserpollenallergie durch Tabletten erfolgen.


Verschwinden dann auch eventuelle Kreuzallergien?
Durch die Immuntherapie können pollen-assoziierte Nahrungsmittelallergien – typisch ist ein plötzlicher Juckreiz oder ein Schwellungsgefühl, Kribbeln an Lippen, Mundinnenseite, Rachen oder Gaumen beim Essen von Äpfeln, Hasel- oder Walnüssen, Kirschen, Nektarinen, Karotten – bei rund der Hälfte der Behandelten abgeschwächt oder reduziert werden. Aber leider ist das nicht die Regel und deshalb wird die Immuntherapie bei Beschwerden einer Nahrungsmittelallergie nicht empfohlen.

 

Welche Art der Prävention bringt am ehesten etwas?
Es gibt viele gute und wohlgemeinte Tipps, Pollen aus dem Wege zu gehen, aber  Pollen zu meiden, ist extrem schwierig. Pollen sind klein und können überall eindringen, wo sich eine Ritze bietet. Alternativ zur spezifischen Immuntherapie empfiehlt sich eine symptomatische Behandlung mit Medikamenten. Es gibt heute verschiedene Substanzklassen, die sich in der therapeutischen Wirkung unterstützen, so dass viele Betroffene die Allergie als erträglich einstufen. Wichtig ist, dass diese Medikamente ab den ersten Symptomen regelmässig eingenommen werden. 

 

 
Prof. Dr. med. Arthur HelblingProf. Dr. med. Arthur Helbling ist Leiter der Allergologisch-Immunologischen Poliklinik, am Inselspital Bern, und Leiter der Allergiestation Zieglerspital, beim Spital Netz Bern.