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Was zur Wespe war das?

Hollywood ist hart für alterende Schauspielerinnen und milde mit ihren männlichen Kollegen. Das zeigt auch das jüngste Beispiel, die Comic-Verfilmung «Ant-Man and Wasp».

Szene aus Ant-man and Wasp

© The Walt Disney Company, (Switzerland) GmbH

 

Comic-Verfilmungen gehören heute zum Kino wie das Popcorn und das überteuerte Mineralwasser in der Pause. Wer sich Hoffnungen gemacht hat, dass dies bald einmal vorbei sein sollte, wird enttäuscht, die aufwändigen Adaptationen kosten zwar hunderte von Millionen Dollar in der Herstellung, spielen aber in Regel ein Vielfaches an den Kinokassen und bei der Auswertung auf Streaming-Plattformen und DVD wieder ein.

 

Eben wurde Ant-Man and Wasp, die Fortsetzung der amüsanten Verfilmung «Ant-Man» auf DVD und Blue Ray Disc veröffentlicht. Die ursprüngliche Vorlage dazu liefert das Comic «Ant-Man», das vom kürzlich verstorbenen Stan Lee und von Zeichner Jack Kirby im Marvel Verlag erstmals 1962 veröffentlicht wurde.

 

Ant-Man – wie wir ihn im Spielfilm kennenlernen – ist – wie so oft bei Marvel – ein kurioser Superheld: Scott Lang (Paul Rudd), so der zivile Name, ist ein Einschleichdieb und Vater. Eigentlich ein netter Kerl mit dem Herz am richtigen Fleck, aber eben: ein Krimineller. Er klaut, um eine Herzoperation seiner Tochter zu finanzieren. Auf seinem Weg zur Besserung lernt er den Forscher und Tüftler Hank Pym (Michael Douglas) kennen. Pym hat in jungen Jahen eine Substanz entdeckt, die es erlaubt, Dinge auf kleinste Grösse zu schrumpfen. Mit einem Helm der Ameisen  befehlen kann, bekämpfte der Wissenschaftler einst als Ant-Man Kriminalität und Ungerechtigkeit. Doch auch Helden altern, und so übernimmt Scott Lang das Kostüm von Hank Pym und prügelt sich durch die Bösewichte.

 

Hübsche Unterstützung

 

In der Verfilmung «Ant-Man and Wasp» erhält nun Scott Lang von der hübschen Tochter Pyms, Hope (Evangeline Lilly), Unterstützung. Sie stülpt sich das Wasp-Kostüm über. Doch dieses Mal geht es weniger um den Kampf gegen Übeltäter, sondern um die Suche nach Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer), Hopes Mutter und die ursprüngliche Wasp. Sie ist nach einem selbstlosen Einsatz verschollen in einem subatomaren Raum. Dorthin hat es auch Ant-Man mal verschlagen, aber im Vergleich zu ihr, hat er es zurück geschafft. Darum wollen die Pyms nun eine Rettungsmission lancieren. Dass dies nicht problemlos geht, versteht sich von selbst.

 

Szene aus Ant-man and Wasp

© The Walt Disney Company, (Switzerland) GmbH

 

War «Ant-Man» ein witziger, kurzweiliger Comic-Spass mit einem kecken Michael Douglas, der doch schon 74 Lenze zählt, und einem etwas gar knuddeligen Paul Rudd, hat die Fortsetzung kaum etwas vom Charme des ersten Teils. Die Geschichte wirkt unausgegoren und die Figuren mehrheitlich flach, was für Marvel unüblich ist. Besonders die beiden Frauenfiguren haben keine Tiefe, sondern erscheinen als Platzhalter. Evangeline Lilly, bekannt aus der Fernsehserie «Lost», verklopft als Wasp wohl artig Widersacher, aber ansonsten macht sie keinen sonderlich kompetenten Eindruck, ausser dass sie dem Titelhelden den Kopf verdrehen muss. Ein noch härteres Los hat Michelle Pfeiffer gezogen: Sie will gerettet sein. Dabei ist sie eine hochqualifizierte Wissenschaftlerin und mindestens so schlau wie Überforscher Pym.

 

Frau mit Maske

 

Der Aufenthalt in der subatomaren Partikelwelt scheint ihr auch nicht gut bekommen zu sein. Das Gesicht der heute 60-jährigen Schönheit von damals – wie erinnern uns an die Thriller-Comedy «Into the Night» oder «The Fabulous Baker Boys» – ist zu einer Maske erstarrt. Während Michael Douglas in Würde gealtert ist und vielleicht auch da und dort hat etwas nachhelfen lassen, werweissen plastische Chirurgen in Zeitungen darüber, was Michelle Pfeiffer gemacht hat, dass sie so «unglaublich aussieht». Das vorgeschlagene Repertoire reicht von Botox-Injektionen in die Stirn, um Faltenbildung zu verhindern über aufgespritzte Lippen zu gerafften Augenlidern. Dass solche Eingriffe nicht spurlos bleiben, ist der Sinn der Sache, aber eben ...

 

Es ist traurig, dass Hollywood nach wie vor die Illusion der ewigen Jugend propagiert und Frauen nicht wie Männer in Würde altern lässt, sondern sie zu verjüngenden Eingriffen praktisch «zwingt», wenn sie weiter arbeiten möchten. Was war aber dem Käse die Löcher rausreisst, ist, dass Beauty-Redaktorinnen wie Victoria Hall vom britischen Telegraph solcherlei Schritte applaudieren, obschon das Charisma von damals hinter einer maskenhaften Mimik verborgen bleibt.

 

Ant-Man and Wasp, DVD/Blue Ray Disc, Disney Home Entertainment