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Soll man eine herrenlose Katze adoptieren?

«Ist es sinnvoll, ein junges Büsi aus dem Urlaub mit in die Schweiz zu nehmen? Welche Probleme könnten damit verbunden sein?» Dr. med. vet. Barbara Willi von der Klinik für Kleintiermedizin an der Universität Zürich erklärt, was es dabei alles zu beachten gilt.

Illustration einer Katze

 

«Wir fahren jedes Jahr nach Südfrankreich in die Sommerferien und füttern dort jeweils viele herrenlose Katzen. Diese sehen nicht verwahrlost aus, die meisten haben aber tränende, eitrige Augen. Gerne würden wir einmal ein junges Kätzchen nach Hause nehmen, um ihm ein dauerhaftes Zuhause zu schenken. Genügt es, wenn wir es vor Ort impfen lassen, oder gibt es «Mittelmeerkrankheiten», die sich bei uns verbreiten könnten?»

 

 

Antwort von Dr. med. vet. Barbara Willi*:

 

Die Adoption einer herrenlosen Katze im Ausland sollte grundsätzlich gut überlegt werden, da von diesen Tieren ein erhöhtes Infektionsrisiko für Mensch und Tier ausgehen kann. Das Importieren von Tieren ohne gültigen Chip, Heimtierausweis und ohne gültige Tollwutimpfung ist strafbar. Die Gesetzgebung muss deshalb genau beachtet werden. Von einem Import aus Tollwutrisikoländern muss dringend abgeraten werden.

 

Wenn Sie eine Katze adoptieren möchten, muss sie vorab einem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser klärt ab, ob das Tier gesund ist. Vom Import kranker Tiere sollte auf jeden Fall abgesehen werden. Bei klinisch gesunden Tieren sollte ein Test auf verschiedene Infektionskrankheiten durchgeführt werden. Nach Ausschluss von Infektionskrankheiten muss die Katze gechipt werden und erhält vom Tierarzt einen Heimtierausweis. Nach dieser eindeutigen Identifikation kann die Katze vollständig geimpft werden. Diese Impfungen nehmen mehrere Wochen in Anspruch und müssen deshalb gut geplant sein.

 

Beim Import einer Katze aus Südfrankreich spielen Mittelmeerkrankheiten (Leishmaniose, Ehrlichiose, Dirofilariose) im Gegensatz zum Hund eine untergeordnete Rolle. Katzen können mit diesen Erregern infiziert sein, sind jedoch für die Aufrechterhaltung des Infektionszyklus weniger wichtig als infizierte Hunde. Da die Mücken- und Zeckenarten, die für die Übertragung dieser Erkrankungen nötig sind, nördlich der Alpen kaum verbreitet sind, können sich die Infektionserreger hier nicht ausbreiten. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich diese Mücken- und Zeckenarten mit steigenden Temperaturen in Mitteleuropa zunehmend nach Norden ausbreiten werden.

 

Bedeutender ist das Infektionsrisiko für übertragbare Viren, das von solchen Kätzchen ausgehen kann. Katzen mit eitrigem Augenausfluss sind meist Träger von Erregern des Katzenschnupfenkomplexes (Herpes-, Caliciviren u.a.). Diese Erreger sind für andere Katzen ansteckend und können schwere Probleme verursachen. Daneben muss auch an das feline Panleukopenievirus (verursacht schwere Durchfallerkrankungen, Impfung möglich), an FIV (verursacht Katzen-AIDS, Test aber keine Impfung möglich) und FeLV (Felines Leukämievirus, Test und Impfung möglich) gedacht werden. Alle diese Erreger sind für andere Katzen ansteckend und können zu schweren Erkrankungen führen.

 

Genau Angaben zu den Einreisevorschriften für Heimtiere in die Schweiz aus der EU und zum Tollwutrisiko verschiedener Länder finden Sie unter Opens external link in new windowwww.blv.admin.ch.

 

Dr. Barbara Willi, PhD, Dipl ACVIM, Leiterin Klinische Infektiologie und Spitalhygiene, Klinik für Kleintiermedizin, Universität Zürich.