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Sie leben, statt zu hadern

Der Westschweizer Kino-Dokumentarfilm «Les Dames» verblüfft mit fünf pensionierten Frauen, die so offen wie inspirierend sind.

© Filmcoopi

© Filmcoopi

© Filmcoopi/Les Dames

 

Erfolgreiche Filme haben oft gemeinsam, dass sich das Publikum mit ihren Figuren identifizieren kann. Und so dürfte es kein Zufall sein, dass «Les Dames» in der Romandie 23000 Menschen in die Kinos gelockt hat. Eine erstaunliche Zahl für einen Dokumentarfilm. Ein Jahr lang haben die beiden Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond fünf Frauen zwischen 63 und 75 Jahren begleitet.

Das Ergebnis ist bemerkenswert. Nicht nur, weil einem die fünf Protagonistinnen in 80 Minuten ans Herz wachsen, sondern auch deshalb, weil die fünf Damen mit einer Offenheit über ihr Leben, ihre Sorgen, ihre Ängste, aber auch ihre Freuden und Hoffnungen sprechen, dass man sich als Deutschschweizer fragt: Wäre dies bei uns auch möglich gewesen?

Marion, Carmen, Odile, Noëlle und Pierrette verkörpern die zugleich verletzliche und zugleich selbstbewusste Single-Rentnerin, die von der nächsten grossen Liebe träumt – aber nicht um jeden Preis. Oder wie es Marion einmal ausdrückt, als sie mit einem Dating-Berater eine Kontaktanzeige im Internet aufsetzen lässt: «Beginnen wir bei der Suche bei 65, aber nicht zu weit darüber, denn dann beginnen die Männer, senil zu werden.» Ihr eigenes Alter gibt sie nur ungern an, denn für Männer sei dies bloss «eine negative Information». Schliesslich ist das Ganze schon schwierig genug, wenn die Männer in ihrem Alter alle so alt aussehen würden, sagt sie. Ihre ernüchternde Feststellung beim Begutachten der ersten Anzeigen: «Die wollen ja alle wandern!»

Teils sind die fünf Porträtierten verwitwet, teils geschieden. Was sie vereint, ist, wie selbstbestimmt sie trotzdem durchs Leben gehen, und es sich so einzurichten versuchen, dass sie pflegen, was ihnen Freude macht. Für Pierrette ist es die Musik, für Odile die Natur, die Fotografie (und die Wildschweinjagd mit Männern), für Noëlle das Baden im Genfersee, und Marion tanzt und schauspielert gerne.

Je länger der Film dauert, umso intimere Momente erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer. Die Ehrlichkeit der Frauen vor der Kamera ist verblüffend – und bewegt. «Les Dames» zeugt von viel Fingerspitzengefühl und Respekt des Filmteams. Und es ist inspirierend, zu sehen, wie die Frauen nicht hadern, sondern ihr Leben immer wieder neu in die Hand nehmen. So lange, bis Marion eines Besseren belehrt wird mit ihrer Aussage: «Was sollen die diese Männer mit einem 75 Jahre alten Tussy noch anfangen!» Eine ganze Menge – auch im Schlafzimmer.

«Les Dames», jetzt im Kino und als DVD mit deutschen Untertiteln erhältlich (ausleihbar etwa in der Opens external link in new windowPro Senectute Bibliothek). Filmvorschau: Opens external link in new windowwww.filmcoopi.ch/movie/les-dames