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Nicht alles ist Schicksal, Vorsorge muss sein

«Älterwerden ist kein Zuckerlecken», hat der Dichter Gerhard Meier geschrieben. Viele ältere Menschen machen die Erfahrung, dass das stimmt. In einer fünfteiligen Serie beschreibt Altersexperte Martin Mezger belastende Lebenssituationen – und hoffnungsvolle Auswege.

 

 

Es gibt echte Schicksalsschläge – Dinge, die man nicht vermeiden, nicht abwenden kann, so sehr man sich auch bemüht. Aber nicht alles ist Schicksal – man kann auch selbst dazu beitragen, dass das Älterwerden in guten Bahnen verläuft. Ich will am Beispiel Finanzen zeigen, was ich meine. Ich könnte aber genauso gut auch über die körperliche Verfassung reden.

 

Viele ältere Menschen achten zu wenig auf ihre finanzielle Situation. Sie beziehen mit 65 Jahren statt der Rente das Pensionskassenkapital und verbrauchen es in den ersten zehn Ruhestandsjahren. Sie verschenken ihren Kindern (zu) viel Geld – das ihnen später fehlt. Sie geben ihr Gewerbe nicht auf, obwohl nur noch Defizite resultieren. Sie wohnen in zu teuren Wohnungen, wollen nicht wahrhaben, dass sie über ihre Verhältnisse leben.

 

Sie haben ein Auto, obwohl das ein grosses Loch in ihr Budget reisst. Sie haben Zusatzversicherungen zur Krankenversicherung, obwohl sie sich diese nicht leisten können (und nicht alle brauchen). Sie lassen sich Dinge aus Katalogen kommen und denken nicht daran, dass diese von einer Rechnung begleitet sind. Sie bezahlen Arztrechnungen und vergessen, diese ihrer Krankenkasse zur Rückvergütung einzureichen. Sie denken nicht daran, dass Steuern fällig werden. Sie lassen sich von der Heizkostenabrechnung überraschen und haben kein Geld dafür zur Seite gelegt. Sie überlassen als Frau einfach alles dem Ehemann und sind dann ratlos, wenn sie plötzlich allein sind. Und, und, und …

 

Viele ältere Menschen achten zu wenig auf ihre Finanzen. Und eins, zwei sind da Schulden, das geht schnell. Viele verlassen sich darauf, dass der Staat schon da ist, wenn man ihn braucht.

 

Ja, man bekommt Ergänzungsleistungen, wenn AHV und Pension nicht genügen. Und es ist ein Segen, dass es Ergänzungsleistungen gibt. Aber die Ergänzungsleistungen decken gerade das Lebensnotwendige – das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Darüber hinaus ist der Spielraum eng, man kann sich kaum mehr etwas leisten. Und weil viele den Antrag zu spät stellen, zehren sie noch die kleine Reserve auf, die sie eigentlich behalten könnten.

 

So finden sich denn viele im höheren Alter in einer finanziellen Situation ohne Spielraum. Also gilt es, rechtzeitig kluge Entscheidungen zu treffen. Es gilt, daran zu denken, dass man nicht mit 70 «ausgeschossen» sein sollte – daran, dass es neben normalen Haushaltaufwendungen auch im höheren Alter Ausserordentliches geben kann, das wichtig wird: ein Hörgerät etwa, eine Zahnsanierung, ein Elektrorollstuhl, Selbstbehalte in der Krankenversicherung, ein Kuraufenthalt, die Auslagen für Büsi und Hund ...

 

Ich erlebe leider viele ältere Menschen, die sich sehr wünschen, sie hätten nicht so in den Tag hineingelebt. Zwar mag ich es allen gönnen, die es verstehen, sich gute Tage zu machen, aber es braucht auch das kluge Einteilen. Und wer das nicht kann, holt sich besser früher als später die notwendige Unterstützung.

 

Nochmals: Nicht immer hat man sein Schicksal in eigenen Händen. Auch nicht bei den Finanzen. Aber es ist nicht alles Schicksal: Die kluge finanzielle Vorsorge ist eine Voraussetzung dafür, dass man sich im höheren Alter eine gewisse Selbstständigkeit erhalten kann. Wer sich um nichts kümmert, muss sich nicht wundern, wenn plötzlich nichts mehr geht.

 

 

Martin Mezger (65) ist Theologe und hat viel Erfahrung im Altersbereich. Er leitet die Hatt-Bucher-Stiftung sowie die focusALTER GmbH, die Organisationen und Einzelpersonen berät.

 

 

Wo Sie in schwierigen Situationen Hilfe finden können
Ältere Menschen, die Unterstützung und Hilfe brauchen, können sich an Pro Senectute (die entsprechenden Adressen finden Sie unter www.pro-senectute.ch), aber auch an die Kirchgemeinden, die Spitex oder an den Sozialdienst der Gemeinde wenden. Via Sozialberatung lassen sich zudem finanzielle Probleme lösen, sollten solche auftreten: beispielsweise mit Beiträgen von Pro Senectute oder der Hatt-Bucher-Stiftung.