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Bewegung und Sport halten das Gehirn anpassungsfähig und jung

Dass regelmässige Bewegung und Sport die Stimmung heben, Depressionen entgegen wirken und das Gedächtnis verbessern, wird seit längerem in der Praxis beobachtet und durch persönliche Erfahrungen berichtet. Nun kommen aus der Hirnforschung nach und nach die Ergebnisse, die diese Beobachtungen und Erfahrungen tatsächlich bestätigen: Bewegung und Sport halten das Gehirn fit und anpassungsfähig und treten Alterungsprozessen entgegen.

Velofahrer

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Von Prof. Dr. Katharina Meyer*

 

 Das menschliche Gehirn verliert zwischen dem 20. und 90. Lebensjahr bis zu 10% seines Gewichtes. Dies geht mit einem Abbau der Funktionsfähigkeit einher. Einer der Mechanismen, um diesem Abbau entgegenzuwirken, wird mit «Plastizität» umschrieben. «Gehirnplastizität» meint die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und zu reorganisieren.

 

Muskultur und Gehirn des Menschen sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden: Wer seine Muskeln beansprucht, der trainiert automatisch auch sein Gehirn. Diese enge Verknüpfung zwischen Muskeln und Gehirn ist ein Erbe der menschlichen Evolution und entstand vor ca. zwei Millionen Jahren. Wenn der Urmensch sich in der Wildnis bewegte, machte er immer neue Erfahrungen und musste sich neuen geistigen Herausforderungen stellen. Diese Erfahrungen und Herausforderungen wirkten als Stimuli auf das Gehirn, sich stetig neu anzupassen und in Struktur und Funktion zu reorganisieren – eine Voraussetzung, um zu überleben.

 

Die damals entstandenen Verknüpfungen von Muskel und Gehirn sind heute messbar und objektivierbar: Körperliche Bewegung vermehrt im Gehirn Blutgefässe und Nervenzellen. Nervenzellen stellen untereinander neue Verbindungen her, und Botenstoffe, die Informationen im Gehirn übertragen, werden vermehrt ausgeschüttet. Dies führt dazu, dass das Gehirn Informationen schneller verarbeiten kann und das Gedächtnis besser arbeitet.

 

Muskelaktivität verbessert die Gedächtnisleistung  

Beanspruchte Muskelzellen leisten nicht nur physikalische Arbeit, sondern sie geben – ähnlich wie Drüsen – auch Substanzen ins Blut. Eine derartige Substanz ist zum Beispiel ein Eiweiss, welches «Ausdauerfaktor» genannt wird und die körperliche Fitness verbessert. Interessanterweise wirkt dieses Eiweiss aber auch auf das Gehirn, genauer: auf den Hippocampus. Dieser Teil des Gehirns wird als Pforte zum Gedächtnis bezeichnet, hier werden Informationen gespeichert und abgerufen und neue Informationen in einen vertrauten Zusammenhang integriert.

 

Es liegt auf der Hand, dass der Hippocampus eine lebenslange Anpassungsfähigkeit gewährleisten muss, damit wir Menschen lebenslang geistig agil bleiben können. Und genau hierbei helfen Bewegung und Sport: Der «Ausdauerfaktor» regt das Gehirn – wie schon bei den Urmenschen – lebenslang zur Neubildung von Nervenzellen und zur Bildung neuer Netzwerke an. Durch diese «Gehirnplastizität» entsteht eine verbesserte Gedächtnisleistung.

 

Bewegung und Sport können dem Hirnschwund im Alter entgegen wirken

Der Hippocampus verliert pro Lebensjahr eines Menschen ein bis zwei Prozent an Volumen, d.h. an grauer Substanz und Nervenzellen. Dieser Niedergang ist nicht unausweichlich! Ältere Menschen, die bislang eine sitzende Lebensweise führten, fingen an, ein Jahr lang täglich 40 Minuten zügig zu spazieren. Interessanterweise hatte sich nach diesem Jahr das Volumen des Hippocampus um zwei Prozent vergrössert, was einer Verjüngung dieses Gehirnteils um bis zu zwei Lebensjahre entspricht.


Körperliche Bewegung hellt die Stimmung auf

Die meisten Menschen haben es irgendwann selbst erlebt: Bewegung hebt die Stimmung und  hilft, Stress zu bewältigen. Ferner zeigen Forschungsarbeiten, dass körperliche Bewegung bei Depression ähnlich effektiv wirken kann wie Antidepressiva. Steckt auch hier der Muskel  dahinter?

 

Bei mehrwöchigem Ausdauertraining stellt die Muskulatur neben dem «Ausdauerfaktor" ein weiteres Eiweiss her, das den komplizierten Namen PGC-1a1 trägt. Auch dieses Eiweiss wirkt auf das Gehirn, denn es macht Menschen offenbar widerstandsfähig gegen Stress. Mäuse, die im Rahmen einer Studie beim Schlummern über längere Zeit Lärm und Lichtstress ausgesetzt waren, zeigten daraufhin Symptome einer Depression. Diese Mäuse hatten initial relativ niedrige PGC-1a1-Werte. Dagegen blieben Mäuse mit besonders hohen Werten dieses Eiweisses trotz der gleichen Stressexposition gelassen und psychisch gesund. Offenbar sorgt das Eiweiss dafür, dass bestimmte Stressfaktoren im Körper schnell abgebaut werden und gar nicht erst ins Hirn gelangen. Diese positiven Wirkungen könnten auch für ältere Menschen von Bedeutung sein, denn viele von ihnen leiden unter Symptomen einer Depression.

 

Es ist nie zu spät!

Selbst wenn erst in fortgeschrittenem Alter mit regelmässiger körperlicher Bewegung begonnen wird,  – es lohnt sich immer! Das Gehirn zeigt bis ins hohe Alter die Fähigkeit, sich zu verändern und zu reorganisieren. Damit kann es seine Merk- und Lernfähigkeit, also seine Gedächtnisleistung, verbessern. Als besonders effektive Bewegungsformen haben sich zügiges Gehen, Schwimmen und Radfahren erwiesen.

 

 

Schauen Sie sich in Ihrer Umgebung um. Pro Senectute bietet auch Ihnen zahlreiche Möglichkeiten für Bewegung und Sport:Opens external link in new window www.pro-senectute.ch/angebote/sport-und-bewegung.html

 

 

 

Prof. Dr. Katharina Meyer *Prof. Dr. Katharina Meyer ist Gesundheitswissenschaftlerin und Belastungsphysiologin mit grosser Erfahrung in den Bereichen Gesunderhaltung, Alter und Krankheitsbewältigung. Hierin unterstützt sie unter anderem auch Privatpersonen. Mehr Information unter Opens external link in new windowcardiodyn.ch/begleitungen