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Bei Herzschwäche hilft Bewegung

Lange war man der Meinung, dass Menschen, die von einer Herzschwäche betroffen sind, körperliche Belastungen meiden sollten. Heute weiss man, dass in solchen Fällen nicht (Bett-) Ruhe, sondern ein massgeschneidertes Training angesagt ist.

Seniorin auf Ergometer

Seniorin auf Ergometer

 

 

Von Prof. Dr. Katharina Meyer*

 

Das Herz ist eine Hochleistungspumpe, die in gesundem Zustand pro Stunde bis zu 340 Liter, am Tage bis zu 7000 Liter und in einem 70-jährigen Leben bis zu 200 Millionen Liter Blut in das Gefässsystem des Körpers pumpt.

 

Nach einem Herzinfarkt, aufgrund eines Herzfehlers oder einer Gefässverengung, nach jahrelangem Bluthochdruck oder auch nach einer Herzmuskelentzündung kann sich das Herz unerwünscht vergrössern und schwach werden. Je schwächer es wird, umso geringer wird seine Pumpleistung, und irgendwann kann es die Versorgung von Muskulatur und Organen mit sauerstoffreichem Blut nicht mehr ausreichend gewährleisten. Ferner staut sich das Blut vor dem Herzen, wodurch sich Flüssigkeit in Körpergewebe und Lungen einlagert.

 

Betroffene leiden in der Folge an Luftnot, rascher Ermüdung und abnehmender Belastbarkeit. Die Teilnahme am Alltag und am sozialen Leben wird beschwerlicher, Niedergeschlagenheit und abnehmende Lebensqualität sind häufige Folgen. In der Schweiz ist die Zahl der 80-Jährigen und Älteren mit Herzschwäche pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner 33 Mal höher im Vergleich zur Altersgruppe der 50- bis 64- Jährigen.

 

Betroffene sind einer Herzschwäche aber nicht einfach ausgeliefert. Sie können selber etwas tun, um die Beschwerden zu lindern und somit die Lebensqualität zu verbessern.

Immer noch ist die Meinung weit verbreitet, dass Menschen mit Herzschwäche körperliche Belastungen meiden sollen. Falsch! Nicht Ruhe, sondern ein individuell massgeschneidertes Ausdauertraining verbessert Beschwerden und Belastbarkeit dieser Patientinnen und Patinenten. Wie ist dieser Sinneswandel zu erklären?

 

Die Muskulatur unter die Lupe genommen

Bei Herzschwäche leidet nicht nur der Herzmuskel, sondern auch die Skelettmuskulatur nimmt ab und wird schwächer. Bis vor kurzem erklärte man dies damit, dass sich die Betroffenen weniger bewegen. Neueste Erkenntnisse aus der Forschung zeigen jedoch, dass der schleichende Abbau von Muskulatur mit einem systematischen Verlust an Muskel-Eiweiss im ganzen Körper zusammenhängt und dies eine direkte Begleiterscheinung der Herzschwäche ist.

 

Nur bei Herzschwäche-Patienten, nicht aber bei Gesunden, findet man die Aktivierung eines Systems, das eine bedeutende Rolle in der «Qualitätssicherung» jener Eiweisse spielt, die in der Muskelzelle hergestellt werden. Muskel-Eiweisse wollen während und nach ihrer Produktion richtig «gefaltet» werden, um zu funktionieren. Ist dies nicht der Fall, dann werden sie durch ein Enzym namens MuRF1 markiert. Erkennt der Körper diese Markierungen, baut er das nicht funktionierende Eiweiss systematisch ab.

 

Diese «Qualitätssicherung» ist von der Natur so gewollt. Ungut ist allerdings, dass das Enzym MuRF1 bei Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche in erhöhter Menge vorkommt.

Dies führt dazu, dass neben dem defekten (nicht richtig gefalteten) Muskel-Eiweiss auch gesundes Eiweiss abgebaut wird. Hierdurch geht Muskelmasse verloren und die Betroffenen verlieren unerwünscht an Gewicht. Ein Medikament gegen dieses Geschehen gibt es derzeit nicht.

  


Mehr zu Bewegung und Training bei Herzschwäche
Der Ratgeber für Herzpatienten «Körperliche Bewegung – dem Herzen zuliebe» (Steinkopff Verlag) informiert im Detail über das «Warum» und «Wie» von körperlicher Aktivität und Training bei Herzerkran-kungen.  

 

Bewegung wirkt dem schleichenden Muskelabbau entgegen

Bei Menschen mit einer Herzschwäche bewirkte ein nur vierwöchiges Ausdauertraining auf dem Heimtrainer, dass das Schlüsselenzym MuRF1 wieder auf ganz normale Werte sinken und so der Muskelabbau gestoppt werden konnte. Verbunden hiermit konnten Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche ihre Leistungsfähigkeit um bis zu 25 Prozent  steigern und ihren Alltag besser bewältigen. Trainierende Betroffene zeigten auch um bis zu 30 Prozent seltener notfallmässige Arztbesuche und Spitaleinweisungen. Insgesamt berichteten die Patientinnen und Patienten über eine bessere Lebensqualität.

 

Wie trainiert man richtig?

Als Bewegungsarten haben sich Gehen, Fahren auf dem Velo-Ergometer, langsames Velofahren auf der Ebene an frischer Luft, Gymnastik im Stehen und Sitzen sowie ein dosiertes Krafttraining als geeignet erwiesen. Bei einem Ausdauertraining auf dem Velo-Ergometer sollten die Beinmuskeln möglichst hoch belastet, die Belastung des Herzens jedoch möglich gering gehalten werden. Dies ist möglich durch ein Intervalltraining: Man pedalt beispielsweise eine Minute gegen einen höheren Widerstand, dann eine Minute im Leerlauf oder mit geringem Widerstand, danach wieder eine Minute mit  höherem Widerstand, usw. Die Gesamtdauer kann – je nach Fitness eines Patienten –  10, 15 oder auch 30 Minuten betragen.

 

Wer an einer Herzschwäche leidet und sich sportlich betätigen möchte, sollte vor Aufnahme der Aktivität seine medikamentöse Behandlung überprüfen und einen Belastungstest durchführen lassen. Aus den Testergebnissen wird die persönlich angemessene Trainingsintensität abgeleitet. Es empfiehlt sich, ein solches Training zunächst unter Anleitung in einer ambulanten Reha-Einrichtung oder einer spezialisierten Praxis für Medizinische Trainingstherapie zu beginnen. 

 

 

 

Prof. Dr. Katharina Meyer *Prof. Dr. Katharina Meyer ist Gesundheitswissenschaftlerin und Belastungsphysiologin mit  grosser Erfahrung in den Bereichen Gesunderhaltung, Alter und Krankheitsbewältigung. Hierin unterstützt sie unter anderem auch Privatpersonen.

Mehr Information unter Opens external link in new windowcardiodyn.ch/begleitungen