Kontakt

Redaktion Zeitlupe
Schulhausstrasse 55
Postfach 2199
8027 Zürich

Tel. 044 283 89 13
Fax 044 283 89 10

infoanti spam bot@zeitlupeanti spam bot.ch

» Kontaktformular

» Adressänderung mitteilen

«Von der Politik fühle ich mich total im Stich gelassen»

«Unser Quartier ist noch eines dieser schönen alten, mit einfachen Häusern und viel Grün rundherum. Es ist ruhig und sauber, der Zusammenhalt funktioniert, man kennt und hilft einander. Diese Idylle soll in den nächsten Jahren und Jahrzehnten abgerissen und komplett neu gestaltet werden. Für mich ein Skandal! Der Standard genüge heutigen Ansprüchen nicht mehr, lautet die Begründung. Dabei sind wir Bewohnerinnen und Bewohner vollkommen zufrieden. Ein Beamter oder Politiker kann sich wohl gar nicht vorstellen, dass eine Traumwohnung so bescheiden sein kann. Mir soll niemand erzählen, dass diese modernen, luxuriösen Glashäuser weniger Energie brauchen als wir. Die Stadt will neue Bewohner, die mehr Miete und mehr Steuern bezahlen – das komme auch den Ärmeren zugute, heisst es. Dabei spart eine gute Nachbarschaft doch auch viele öffentliche Gelder.

 

Die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist das Schlimmste – gerade aufs Alter hin. Sich an einem neuen Ort nochmals einzuleben, ist nicht mehr so einfach. Hier bin ich verwurzelt, kenne die Läden, habe meinen Arzt, meine Freunde. Soll ich bleiben oder etwas Neues suchen? Etwa eine kleinere Wohnung, die mehr kostet? Viele sagen: Du hast sicher viel Geld gespart bei nicht einmal Tausend Franken für meine Dreizimmerwohnung. Aber auch der Vermieter spart, wenn jemand lange in einer Wohnung lebt.

 

«Unser Quartier ist noch eines dieser schönen alten, mit einfachen Häusern und viel Grün rundherum. Es ist ruhig und sauber, der Zusammenhalt funktioniert, man kennt und hilft einander. Diese Idylle soll in den nächsten Jahren und Jahrzehnten abgerissen und komplett neu gestaltet werden. Für mich ein Skandal! Der Standard genüge heutigen Ansprüchen nicht mehr, lautet die Begründung. Dabei sind wir Bewohnerinnen und Bewohner vollkommen zufrieden. Ein Beamter oder Politiker kann sich wohl gar nicht vorstellen, dass eine Traumwohnung so bescheiden sein kann. Mir soll niemand erzählen, dass diese modernen, luxuriösen Glashäuser weniger Energie brauchen als wir. Die Stadt will neue Bewohner, die mehr Miete und mehr Steuern bezahlen – das komme auch den Ärmeren zugute, heisst es. Dabei spart eine gute Nachbarschaft doch auch viele öffentliche Gelder.


Zusammen mit dem Mieterverband kämpfen wir für eine Alternative zum Abriss. Meine Korrespondenz füllt bereits ein dickes Dossier: mit der Verwaltung, mit dem Stadtrat, mit verschiedenen Zeitungen. Ich wehre mich auch für viele, die das aus Angst vor einer Kündigung nicht wagen. Von der Politik fühle ich mich total im Stich gelassen, ich bin wütend und traurig. Die Beamten, Politiker und Architekten sehen bereits die neuen Bauten – aber sie vergessen, was menschlich kaputtgeht, wenn man die alten Häuser zerstört.»

 

W. L., 67, Winterthur