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Mit archaischen Klängen auf Klausenjagd

Treichler, Geisselklepfer, kunstvoll verzierte Bischofshüte und monotone Rhythmen aus Kuhhörnern: Am Abend vor dem St. Nikolaustag findet in Küssnacht am Rigi das traditionelle Klausjagen statt. Über 1500 Männer nehmen am Umzug teil.

 

Klaussjagen in Küssnacht am Rigi

 

Viertel nach acht Uhr, ein lauter Böllerschuss: Alle Lichter im Dorf erlöschen. In der Ferne hört man Peitschenknallen; der Klausumzug setzt sich in Bewegung. Männer mit Treicheln, Hörnern und Peitschen, der Nikolaus mit seinen Begleitern und mitten drin das Lichtermeer der farbigen Iffelen, ziehen mit langsamen Schritten durch die Strassen von Küssnacht am Rigi. Tausende von Zuschauenden säumen ihren Weg. Das traditionelle Klausjagen, ein archaischer Brauch, dessen Ursprung weitgehend im Dunkeln liegt, ist für das Dorf das wohl wichtigste Fest im Jahr und zieht auch zahlreiche Auswärtige und Touristen in seinen Bann.

Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt und Eigentum der Fotografin Opens external link in new windowMonique Wittwer. Für die vergrösserte Ansicht in einer Lightbox, klicken Sie bitte auf ein Bild.

Bereits am Nachmittag und Vorabend waren die kleinen Geisselklepfer unterwegs gewesen und hatten in den Dorfgassen den richtigen «Zwick an der Geissel» geübt. Um halb acht Uhr folgte der Auftritt der jungen Männer rund um den Kreisel des Dorfplatzes: Mit beiden Armen schlugen sie die schwere Schafgeissel, das Knallen hallte noch lang in den Ohren nach. Rund fünfzig ältere und jüngere Geisselklepfer führen auch den Umzug an.

 

Ihnen folgen tänzelnd die gegen zweihundert Iffelenträger: Männer in weissen Gewändern mit goldenen Streifen, zusammengehalten von einem roten Gurt, tragen über dem Kopf ihre Bischofshüte – so genannte Inful oder Iffelen. Diese sind bis zu zweieinhalb Meter hoch, mit kunstvoll ausgestanzten Figuren und Ornamenten reich verziert und von innen beleuchtet. Gemessenen Schrittes folgt schliesslich der St. Nikolaus mit dem Bischofsstab, auf seinem Kopf die Mitra. Seine Schmutzli verteilen Nüsse und Früchte.

 

Eine Gruppe von Blechbläsern spielt unentwegt den gleichen Dreiklang. Danach kommen die rund tausend Treichler; die grösste Formation im traditionellen Umzug. Früher trugen sie Kuhglocken, heute verwenden sie Senten – gewölbt geschmiedete Treicheln mit einem tiefen Klang – und die so genannten Klopfen aus dem Muotatal, die lauter tönen und schneller geschlagen werden. Die Männer tragen alle das gleiche weisse Hirtenhemd, viele haben eine gedrehte Zigarre oder einen Stumpen im Mundwinkel.

 

Den Schluss bilden die rund hundertfünfzig Hornbläser mit ihren Kuhhorninstrumenten. Ta ta taaa, ta ta taaa – zweimal kurz, einmal lang. Im immer gleichen Rhythmus ertönt der monotone Klang, ununterbrochen, ohne Pause. Ein Klang- und Lärmteppich legt sich laut dröhnend über das Dorf. Auch als der Umzug längst um die nächste Strassenbiegung verschwunden ist und die meisten Besucherinnen und Besucher sich auf den Weg Richtung Bahnhof machen, hallt das archaische Wummern der Instrumente noch in den Ohren nach.

 

Internetadresse: Opens external link in new windowwww.klausjagen.ch